‘Die Realität beeindruckt mich nicht besonders’
Gespräch mit Kukla
DOI:
https://doi.org/10.17892/app.2025.00021.416Schlagworte:
Kukla, Balkan, Slowenien, Feminismus, queer, Film, Pop, Vibe, kulturelles Erbe, Geschlecht, Genre, magischer Realismus, JugofuturismusAbstract
Dieser Beitrag bietet einen kritischen Überblick über das Werk der Regisseurin und Musikerin Kukla, wie es in einem Gespräch im Rahmen der Autumn Film School 2025 der Kinoteka unter dem Titel Against Oblivion: Queer Film and Memory in Ljubljana diskutiert wurde. Ihre künstlerische Praxis wird an der Schnittstelle von queerer Filmkultur, postjugoslawischem Erbe und zeitgenössischer Popästhetik verortet. Anstatt nostalgisch auf die Vergangenheit zu blicken, mobilisieren Kuklas Filme und Musik Fragmente des ehemaligen Jugoslawiens als produktives Material für die Imagination alternativer Zukünfte. Dieser Ansatz wird über das Konzept des Jugofuturismus gefasst, verstanden nicht als Sehnsucht nach einem verlorenen Staat, sondern als Nostalgie für die Möglichkeit einer lebenswerten Zukunft, geprägt von einer Generation, die Jugoslawien nur noch über seine Überreste erfahren hat.
Anhand von Analysen des Musikvideos Crne Oči / Schwarze Augen (2017, Slowenien), des Kurzfilms Sestre / Schwestern (2021, Slowenien) sowie des Spielfilmdebüts Fantasy (2025, Slowenien, Nordmazedonien) untersucht der Beitrag Kuklas Einsatz von magischem Realismus sowie ihre Arbeit innerhalb von Genres, die häufig als trivial abgewertet werden. Dabei zeigt sich, dass eine transnationale und queere Perspektive, die Fluidität und Marginalität als Orte kreativer Kraft begreift, zentral für ihre Praxis ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt ihren feministischen und queeren Politiken, insbesondere den Beziehungen zwischen Vulnerabilität und Stärke sowie zwischen Moderne und Tradition im Hinblick auf vererbte Formen geschlechtlicher Varianz. Insgesamt erscheint Kuklas Œuvre als eine intuitive, zugleich politisch resonante Praxis der Mythenbildung, die schambesetzte kulturelle Erbschaften zurückerobert und zu einer eigenständigen emanzipatorischen Ästhetik neu zusammensetzt.
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